Warum du das Gute aufhebst, und für wen eigentlich? Der Anlass bist du

In meinem Küchenregal stand zwei Jahre lang eine Flasche Olivenöl, die ich aus Ligurien mitgebracht hatte, in einer dieser Dosen mit dem handgemalten Etikett. Sie war teuer, und deshalb habe ist sie aufgehoben. Nicht bewusst, ich habe nicht dagestanden und beschlossen, dieses Öl niemals zu benutzen, ich habe nur jedes Mal, wenn ich gekocht habe, das andere genommen, das normale, weil es ja nur Mittwoch war und weil man nie weiß, wofür man das gute Öl noch braucht. Vor ein paar Monaten habe ich sie dann endlich aufgemacht, feierlich fast, und das Öl war ranzig. Zwei Jahre gewartet für nichts.

Jede Frau hat so eine Flasche im Regal

Ich erzähle das, weil ich glaube, dass fast jede Frau, die ich kenne, so eine Flasche in ihrem Leben hat. Bei der einen ist es das gute Geschirr, das nur herauskommt, wenn Gäste da sind, als wäre man selbst keine exquisite Behandlung wert. Bei der anderen ist es das Parfum, das für besondere Anlässe reserviert ist, obwohl Parfum sich mit den Jahren tatsächlich verändert und irgendwann nicht mehr das ist, was man aufgehoben hat. Bei der nächsten liegt in der Schublade Wäsche mit Etikett, seit Jahren, für einen Abend, der laut dieser Schublade seit ungefähr einem Jahrzehnt angekündigt ist.

Die bessere Frage: Für wen hebst du das eigentlich auf?

Und weil ich in meinem Job nun mal berufsmäßig misstrauisch bin, wenn Frauen sich etwas Schönes versagen, habe ich irgendwann angefangen, die Frage anders zu stellen. Nicht mehr, warum hebst du das auf, denn darauf antworten alle dasselbe, nämlich dass es zu schade ist. Sondern: Für wen genau hebst du es auf? Und da wird es interessant, denn dann fällt vielen auf, dass die Person, für die sie es aufheben, gar nicht existiert. Es kommt ja kein Abend, an dem das alles endlich stattfindet, was man sich so einbildet und es kommt kein Anlass, der fabelhafter wird, es kommt keine bessere Version des eigenen Lebens, in der man dann würdig genug ist für das gute Öl.

Aufheben sieht aus wie Sparsamkeit, ist aber eine Rangordnung

Das Aufheben sieht aus wie Sparsamkeit, ist aber eine Rangordnung. Ganz unten steht der normale Tag, ganz unten stehst also du, und ganz oben steht ein hypothetischer Moment, der so besonders ist, dass er das Gute rechtfertigt. Man beschließt das nicht bewusst, sondern wächst da rein, meistens in einem Haushalt, in dem eine Frau vor einem genau dasselbe gemacht hat, und dann führt man es weiter, mit ihrem Tonfall im Kopf, und nennt es Vernunft.

Das Gute am langweiligsten Tag benutzen

Ich habe mir angewöhnt, das Ganze umzudrehen, und zwar ohne großes Programm. Ich benutze das Gute an den langweiligsten Tagen. Ich mache also das gute Öl an einem Mittwoch auf, an dem nichts ist, ich ziehe an, was ich sonst aufheben würde, für einen Termin, bei dem es um Zahlen geht, und ich habe dabei festgestellt, dass sich diese Tage tatsächlich anders anfühlen. Nicht groß, aber irgendwie deutlich. Und zwar nicht, weil jemand etwas bemerkt, sondern weil man selbst den ganzen Tag etwas weiß.

Deine Aufgabe für diese Woche: Benutz es heute

Wenn du diese Woche eine Sache mitnimmst, dann diese: Geh in deine Küche oder an deinen Schrank und such das Ding, das du aufhebst für einen Tag, der wer weiß wann kommt. Du weißt sicher sofort, welches Stück gemeint ist. Und dann benutz es heute. Nicht am Wochenende, nicht wenn Besuch kommt, heute, an diesem völlig unspektakulären Tag.

Der Anlass ist nicht noch unterwegs zu dir. Der Anlass bist du.

Mehr davon: Tour und Power Circle

Am 24. September fängt meine Tour an, “Finde dich gut, sonst findet dich keiner (Jetzt erst recht!)”, und ehrlich gesagt ist so ein Abend genau das Gegenteil von Aufheben. Tickets gibt es über Ticketmaster, und ich würde mich freuen, dich zu sehen.

Wenn du daran lieber in Ruhe und mit anderen Frauen weiterarbeiten willst, im Power Circle geht es diesen Monat um genau diese Stimme im Kopf, die entscheidet, wer das Gute verdient hat. 69 Euro im Monat für ganz viel Du.

Im Power Circle arbeiten wir gerade an genau dieser Stelle, an dem Übergang vom Erkennen zum Aussprechen, mit Arbeitsblatt, Impuls-Call und einer Gruppe von Frauen, die dir das nicht ausreden.

Wenn du lieber erst mal allein lesen willst: mein E-Book „Allein, aber nicht zu haben“ – 35 Seiten, die sitzen.

Und wenn du das alles lieber laut und im Sitzen mit vielen anderen Frauen erleben willst: meine Tour „Finde dich gut, sonst findet dich keiner (Jetzt erst recht!)“ startet am 24. September.

Ich würde mich freuen, dich zu sehen.

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