Das Problem mit dem Wort „Single" – und warum das Alleinsein kein Wartezustand ist

Ich kenne niemanden, der sich selbst gern als Single bezeichnet. Kind, verheiratet, Rentnerin, Steuerzahlerin, alles das nehmen wir klaglos hin. Aber „Single“ klingt, als hätte jemand vergessen, das zweite Teil mitzuliefern. Als stünde man in einem Möbelhaus vor einem Regal und würde erklären, dass die andere Hälfte noch kommt, man wisse nur noch nicht wann.

 

Neulich hat eine Freundin mir erzählt, wie jemand sie gefragt hat, ob sie „gerade Single“ sei, mit diesem kleinen Zögern vor dem Wort, als würde man ihr eine Diagnose mitteilen wollen, an der sie vielleicht selbst noch nicht ganz beteiligt war. Sie hat kurz überlegt, ob sie sagt: Nein, ich bin nicht Single, ich bin nur gerade zu keinem Menschen verpflichtet, was mir freundlicherweise erlaubt, den ganzen Kuchen selbst zu essen und das Bett quer zu benutzen, und dann hat sie es doch gelassen, weil man um sieben Uhr abends auf dem Bürgersteig nicht unbedingt eine Grundsatzrede über den eigenen Beziehungsstatus halten möchte. Wir haben später beide darüber gelacht, wie viel in diesem einen zögernden Wort eigentlich mitschwingt.

 

Der Punkt ist: Wir haben für das Alleinsein kein gutes Wort. Wir haben nur ein Wort, das klingt wie ein Wartezustand, wie eine Warteschlange vor einem Amt, in der man irgendwann drankommt, wenn man Geduld und die richtigen Unterlagen dabei hat. Dabei ist das Alleinsein, das echte, freiwillige, gar nicht die Warteschlange, sondern eher das Amt selbst. Der Ort, an dem man herausfindet, was man eigentlich will, bevor man es jemand anderem zumutet, es für einen herauszufinden.

 

Ich habe lange gebraucht, um das zu verstehen, und ich sage das nicht, weil es sich gut liest, sondern weil es stimmt. Es gab Jahre, in denen ich das Alleinsein wie eine Krankheit behandelt habe, die man möglichst schnell wieder loswerden sollte, am besten mit dem nächstbesten Mittel, das zufällig gerade zur Hand war. Das hat nie funktioniert. Nicht ein einziges Mal. Was funktioniert hat, war das Gegenteil: aufhören, so zu tun, als sei das Alleinsein ein Betriebsunfall, und anfangen, es sich anzusehen wie eine Wohnung, in der man tatsächlich wohnt, nicht nur campiert, bis der Möbelwagen mit dem nächsten Partner kommt.

Was die Katzen damit zu tun haben

In meiner Arbeit höre ich diesen Satz ständig, von Frauen über dreißig oder vierzig, die erzählen, welchen Blick Leute bekommen, wenn sie erfahren, dass da jemand allein lebt und das offenbar auch noch gut findet. Diesen leicht besorgten Blick, der fragen möchte, ob man schon Pläne für einen Haufen zukünftiger Katzen habe. Als sei Zufriedenheit ohne Partner ein Frühwarnsystem für etwas Schlimmeres. Dabei ist es meistens genau das Gegenteil: Menschen, die mit sich selbst gut auskommen, sind später in Beziehungen oft die angenehmeren Mitbewohner. Sie erwarten nicht, dass jemand anderes ihre Leere füllt, weil sie längst gelernt haben, die Wohnung im Inneren selbst zu möblieren.

Warum das Alleinsein keine verlorene Zeit ist

Ich schreibe das alles nicht, um das Alleinsein zu romantisieren. Es ist manchmal auch einfach nur leer, vor allem sonntags, vor allem im Winter, das würde ich niemandem ausreden wollen. Aber es ist eben nicht nur das. Es ist auch die Zeit, in der man wieder herausfindet, was einem eigentlich schmeckt, wonach einem der Kopf steht, welche Musik man auflegt, wenn niemand mitreden will. Und diese Zeit, so unbequem sie manchmal ist, ist keine verlorene Zeit. Sie ist eher die Generalprobe für alles, was danach kommt, egal ob danach ein Mensch kommt oder einfach nur mehr von diesem guten, klaren Alleinsein.

Ich habe über genau diesen Zustand ein kleines Buch geschrieben, Allein, aber nicht zu haben, für alle, die gerade in dieser Wohnung wohnen und sich fragen, ob sie sich schon eingerichtet haben oder immer noch auf den Möbelwagen warten. Es steht für 7,99 Euro auf meiner Website, kein Ratgeber mit Checklisten, eher wie ein langes Gespräch mit jemandem, der genau weiß, wie sich diese Wohnung von innen anfühlt, und sich davon trotzdem nicht die Laune verderben lassen will.

Und falls dich jemand das nächste Mal fragt, ob du „gerade Single“ bist: Du darfst auch einfach sagen, du bewohnst dein Leben gerade allein und die Möbel stehen ziemlich gut.

VOM GLÜCK, SICH SELBST ZUERST ZU WÄHLEN.

Allein, aber nicht zu haben.

Das eBook über die Kunst, mit sich selbst befreundet zu sein, bevor man es mit jemand anderem versucht.

Es gibt eine Art des Alleinseins, die sich anfühlt wie ein Mangel, und eine, die sich anfühlt wie ein weiter, heller Raum, in dem endlich Platz ist für das eigene Leben. Die meisten von uns verbringen Jahre damit, die beiden zu verwechseln, und halten für eine Wunde, was in Wahrheit eine Einladung ist. Dieses eBook handelt von dem Tag, an dem man den Unterschied zum ersten Mal wirklich spürt und danach nicht mehr zurückwill.

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