Eine Freundin von mir, Anfang vierzig, Geschäftsführerin einer Agentur, hat neulich versucht, in einem Park einen Purzelbaum zu machen. Sie hat es nicht ihrer Tochter zuliebe getan und auch nicht für ein Reel. Sie hat es einfach getan, sagt sie, weil ihr beim Anblick einer Wiese spontan eingefallen war, dass sie das früher konnte, gut sogar. Sie ist auf den Hintern gefallen, hat sich kurz umgesehen, ob jemand das gefilmt hat, und musste dann lachen. Lachen, sagt sie, wie sie seit Jahren nicht mehr gelacht hatte. Auf dem Heimweg hat sie geweint. Sie hat nicht gewusst, warum.
Ich habe in den vergangenen Jahren erstaunlich viele solcher Geschichten gehört, und ich glaube, sie erzählen etwas über uns, das wir noch nicht ganz verstanden haben. Wir sind die reflektierteste Generation Frauen, die es je gegeben hat. Wir kennen unseren Bindungsstil, wissen, was Mutterwunden sind, und können erklären, warum wir bestimmte Männer gedatet haben und andere nicht. Wir haben Therapien gemacht, Bücher verschlungen, Podcasts gehört. Was uns niemand gesagt hat, ist, dass das Verstehen eine Nebenwirkung haben kann. Manchmal verschwindet in einem das Mädchen, das man einmal war, in genau dem Moment, in dem man begreift, was es gebraucht hätte.
Meine Klientinnen formulieren es unterschiedlich, aber im Kern sagen sie alle dasselbe. Etwas fehlt. Es ist nicht Erschöpfung, nicht Sinnkrise, nicht einmal Traurigkeit. Es ist eher, sagt eine, als hätte sie ihre eigene Leichtigkeit irgendwo in einer Umzugskiste verstaut und vergessen, in welcher. Sie wisse, dass die Kiste existiert. Sie komme nur nicht ran.
Über das Spielen wird in der Selbsthilfeliteratur erstaunlich wenig geschrieben, dafür aber umso mehr in der Neurobiologie. Spielen reguliert das Nervensystem auf eine Weise, die durch keine Achtsamkeitsübung zu ersetzen ist. Erwachsene, die nicht mehr spielen, verlieren über die Jahre den Zugang zu jenem Teil ihres Selbst, der nicht zweckgebunden funktioniert. Sie können sich entspannen, aber sie kommen nicht mehr in einen Zustand spontaner Lebendigkeit. Sie können in den Urlaub fahren und kehren müder zurück als vor der Reise, was eigentlich verboten gehört.
Dabei ist die Sache mit dem inneren Kind im Grunde simpel – und wird gleichzeitig fast lächerlich häufig übersehen. Wir kümmern uns im Zweifelsfall um unser inneres Kind oder lesen wenigstens Bücher zu dem Thema. Wir trösten es, analysieren es, schreiben ihm Briefe. Wir behandeln es im Grunde wie eine schwierige Mitbewohnerin, mit der man Frieden geschlossen hat. Was wir vergessen, ist, dass dieses Kind eigentlich gar nicht therapiert werden möchte. Es möchte mit uns Quatsch machen. Es möchte, dass wir mit ihm in eine Pfütze springen, ohne uns vorher zu überlegen, ob das jetzt eine spirituelle Übung ist.
Camp Paula, das vom 11. bis 14. Juni 2026 stattfindet, ist meine Antwort auf diese Beobachtung. Drei Tage, vierzig Frauen, ein Ort in der Natur, der sich bewusst nicht so anfühlt wie ein klassisches Retreat. Es gibt geführte innere Kind-Sessions, Körperarbeit und Schreibimpulse – also alles, was du erwartest. Aber genauso entscheidend ist, was zwischen diesen Formaten passiert. Das gemeinsame Frühstück, das in Lachen kippt. Der Nachmittag, an dem du barfuß über eine Wiese läufst, ohne dass dir jemand erklärt, warum das gut für dich ist. Das nackt im See plantschen um halb elf nachts, weil jemand Lust bekommen hat. Und das ist Grund genug.
Ich verspreche niemandem ein Wunder, weil ich Wunder grundsätzlich verdächtig finde. Was ich beobachte, ist etwas Einfacheres. Frauen, die nach drei Tagen anders nach Hause fahren – nicht vollständig geheilt, nicht erleuchtet, aber auf eine Weise lebendiger, die sie selbst überrascht. Sie schlafen anders, sie reden anders, und manche von ihnen, das schwöre ich, machen wieder Purzelbäume. Vermutlich nicht in der Öffentlichkeit. Aber das ist ja nicht der Punkt.
Wenn du merkst, dass du funktionierst, aber nicht mehr wirklich lebst – dann ist das kein Zeichen, dass etwas falsch mit dir ist. Es ist ein Zeichen, dass du dir fehlst.
Vielleicht hast du so viel verstanden, verarbeitet und analysiert, dass du irgendwann vergessen hast, wie es sich anfühlt, einfach nur da zu sein. Ohne Agenda. Ohne das leise Gefühl, dass du eigentlich noch an dir arbeiten müsstest.
Vom 11. bis 14. Juni 2026 treffen sich vierzig Frauen an einem Ort in der Natur. Es gibt geführte innere Kind-Sessions, Körperarbeit und Schreibimpulse – aber genauso viel Raum gehört dem, was sich nicht planen lässt. Den Momenten, in denen du plötzlich wieder weißt, wer du bist, wenn niemand etwas von dir braucht.
Camp Paula ist kein Wellness-Wochenende und kein Seminar. Es ist drei Tage lang die Erlaubnis, die du dir selbst schon viel zu lange nicht gegeben hast.
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